Am 28.12.2007 hatten wir in unserer Neujahrsansprache geschrieben:
Und - die Zukunft... Die Zukunft kann man bereits absehen – die Bankenkrise hat überdeutlich mit der Hektik der Betroffenen gezeigt – hier steht eine völlig überbewertete Blase vor dem Kollaps. Amerikanische Immobilienwerte sind nur ein kleiner Teil der von uns beschriebenen amerikanischen Werte – über jedes Maß überbewertet – aber Grundlage der meisten Spekulationsgeschäfte, die in den kommenden Jahren platzen werden – ohne jeden Zweifel.
Dazu gibt es inzwischen Zahlen und auch einen Bericht aus dem Oktober:
1400 Milliarden Dollar an Forderungen von deutschen Banken gegen globale Wackelkandidaten – davon mit einem "Abschreibungsbedarf" höher als der Bundeshaushalt eines Jahres?
Auszug:
Es ist illusionär zu erwarten, dass die Spitzen der großen Koalition die Spiegelfechtereien der privaten Finanzbosse auch nur im Ansatz durchschauen.
Wer so wie Steinbrück noch bis vor kurzem meinte, Turbulenzen bei Islands Kreditinstituten könnten keine großen Auswirkungen auf das deutsche Bankensystem haben, der ist schlicht überfordert und dürfte selbst mit dem kleinen Einmaleins der globalen Hütchenspieler größte Probleme haben. Mit Fug und Recht darf bezweifelt werden, dass den Koryphäen im Kanzleramt wenigstens jetzt die Dimensionen der Risiken dämmern, in denen deutsche Geldhäuser stecken.
Deutsche Banken sind mit weitem Abstand der Hauptkreditgeber Islands, das am Rande des Staatsbankrotts steht. 21 Milliarden Dollar an Island-Krediten stehen in deutschen Büchern. Das ist ein Drittel aller Forderungen, die die Insel der Geysire zu begleichen hat. Als zweiter Hauptgläubiger wartet Großbritannien mit vergleichsweise lächerlichen 4 Milliarden auf. Doch Island ist nur die Spitze des Eisbergs.
Deutsche Banken sind auch in vielen anderen Ländern die größten Kreditgeber. 769 Milliarden Dollar betragen die Forderungen gegenüber britischen Schuldnern. Spanische Kreditnehmer schulden deutschen Banken 311 Milliarden Dollar, irische 241 Milliarden. Gegenüber russischen Schuldnern betragen die Forderungen 49,5 Milliarden Euro, gegenüber ungarischen 37,9 Milliarden Euro. So die neuesten Zahlen der BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich), die sich auf Juni 2008 beziehen.
Ungarn kämpft gegen den Staatsbankrott. Die Finanzblender in Irland, Spanien und Großbritannien haben in den vergangenen Jahren ihre Immobilienblase noch weitaus maßloser gefüttert als ihre Kollegen in den Vereinigten Staaten. Stiegen die Häuserpreise in den USA von 1999 bis 2004 um rund 80 Prozent, so waren es in Spanien und Großbritannien im selben Zeitraum sage und schreibe rund 150 Prozent. So das meist bestens informierte britische Wirtschaftsmagazin "Economist" im Jahre 2005.
Im Fall Island hat die BayernLB bis jetzt zugegeben, dass von den 1,5 Milliarden Euro an Krediten mehr als die Hälfte, nämlich 800 Millionen, als uneinbringlich gelten dürfen. Wenn von den Krediten der restlichen Wackelkandidaten auch nur ein Viertel "Not leidend" wird, ist der "Abschreibungsbedarf" höher als der Bundeshaushalt eines Jahres. Woher Merkel und Steinbrück die Mittel nehmen wollen, um diesen GAU einzudämmen, steht in den Sternen.
Die Weichensteller dieses Desasters waren vor allem Gerhard Schröder, Werner Müller und Wolfgang Clement, ihre willigen Helfer sind bis heute Peer Steinbrück und Franz Müntefering. Die Zauberlehrlinge, die sich so gern im Glanz der Global Player und der großen Bosse sonnten, gingen mit Konvertiteneifer daran, den staatlichen Sektor auszutrocknen, die sozialen Sicherungssysteme auszuhöhlen und zu desavouieren. Dadurch wurden riesige Geldströme auf die Mühlen der halbseidenen Finanzcroupiers gelenkt.
Keine Angela Merkel, kein Helmut Kohl, kein Roland Koch und kein Friedrich Merz hätten dies so widerstandslos hinbekommen wie die neoliberal gestylte Schröder-SPD. Denn die meisten SPD-Funktionäre schauten dem Agenda-Treiben ahnungslos bis fasziniert zu. Die Gewerkschaften reagierten verwirrt, gelähmt und starr vor Schreck.
Es waren Werner Müller, Wolfgang Clement und Franz Müntefering, die Anfang des Jahrtausends unter Schröders Regie mit ihrer glorreichen Steuerreform die Kommunen finanziell austrockneten. Seither fehlen den Städten und Gemeinden zwischen 12 und 15 Milliarden Euro jährlich. Das ist ziemlich genau der Betrag, den die deutschen Einkommenskrösusse durch Schröders Senkung des Spitzensteuersatzes von 54 auf 42 Prozent jährlich mehr zur Verfügung haben.
Milliarden an Steuergeldern flossen so aus dem öffentlichen Sektor ab, auf die Konten von nur 10 Prozent der Deutschen, der Reichsten im Lande. Verwendungszweck: vor allem Luxus und Spekulation.
Es waren Peer Steinbrück und sein Adlatus Jörg Asmussen, die die gesetzlichen Sicherheitsschleusen öffneten und höchstministeriell die Empfehlung ausgaben, in Finanzabenteuer wie Zertifikate, Verbriefungen, ABS (Asset Backed Securities) und PPP (Public Private Partnerships) einzusteigen. Die Kommunen folgten dem Rat und ließen sich, meist aus purer Finanznot, auf die von Bankenchefs, von Clement, Steinbrück und Co empfohlenen Geschäfte ein. Die Konzernchefs, Vermögensmillionäre und Bestverdienenden taten dasselbe, allerdings aus "Überfinanzierung", sprich, weil ihre Schatullen dank Schröders "Reformen" überquollen.
Durch Panikmache mit der demographischen Lüge, durch systematischen Sozialabriss, durch Aushöhlung des Sozial- und Rentensystems erzeugte die Agenda-Nomenklatur jahrelang Stimmung, um die Bürger in die private Risiko- und Altersvorsorge und damit in den Wertpapiermarkt, in Aktien- und Versicherungsfonds zu treiben.
So wurden Hunderte von Milliarden an redlich erwirtschaftetem und erspartem "gutem" Geld lukriert und in den undurchsichtigen globalen Finanzmarkt, in angeblich viel versprechende und "todsichere", in Wahrheit jedoch transnationale, unkontrollierbare Wertanlagen gelenkt.
Wer mahnte und warnte, wer auf Eindämmung, Kapitalverkehrskontrollen und globale Finanzaufsicht pochte, wer den Erhalt des nationalen Rentensystems einklagte, wie Geissler, Blüm, Glück oder Lafontaine, wurde von den Agenten der Agenda, von ihren Drückerkolonnen und Medien bestenfalls als hoffnungslos altmodischer Gute-Nacht-Onkel ausgelacht, schlimmstenfalls als roter Demagoge diffamiert.
Innerhalb weniger Wochen haben sich sämtliche Warnungen als richtig erwiesen, ja, der sich abzeichnende Tsunami übertrifft sogar die schlimmsten Erwartungen.
Die Ackermann-Imitate in den Landesbanken sind heute die ersten, deren Verluste ruchbar werden. Sie sind nicht ganz so abgebrüht, ausdauernd und erfahren beim Vertuschen und Schönreden der Probleme wie ihre Vorbilder in den privaten Geldhäusern. Die Landesbanker können und dürfen ihre Institute nicht ganz so verschwiegen wie eine versteckte Alpenkäserei führen. Die Berichtspflicht und Finanzaufsicht ist schärfer als bei den Privaten mit ihrer eher "freiwilligen Selbstkontrolle", die Intervalle sind kürzer, das externe Controlling funktioniert unangekündigt.
Die über 1400 Milliarden Dollar an Forderungen gegen die globalen Wackelkandidaten verteilen sich aber sicher nicht zum größten Teil auf die Landesbanken, auch wenn sie die aktuellen Prügelknaben sind. Wer sich freilich zuerst als Not leidend meldet, dürfte noch am ehesten Chancen haben, mit staatlicher Hilfe gerettet zu werden, denn es ist logisch, dass zu Beginn die Mittel noch ausreichend vorhanden und die Geldgeber noch relativ freigiebig sind. Auch hier gilt: Den Letzten beißen die Hunde.
Gut möglich daher, dass sein ungebremster Stolz Josef Ackermann noch zum Verhängnis wird. Gut möglich auch, dass ein Kollege von Peter Sodann aus der Realität den Deutsche-Bank-Chef tatsächlich demnächst verhaften muss - zu seinem Schutz vielleicht gar, denn die renitentesten unter den geprellten Kunden seines Instituts dürften etwaige Totalverluste kaum so rational gestimmt betrachten wie die langjährigen Kritiker des Ackermannschen Investmentbankings und Derivatesystems. ....
Den kompletten Bericht finden Sie hier:Die Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich finden Sie hier:
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