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Die Schlinge wird zugezogen
von Cross-Border 25.02.06, 05:37
Dr. Hermann Janning verläßt die WSW.
Peter Jung: "Ich bin davon überzeugt, dass mit der gefundenen Lösung die Neuausrichtung unseres Unternehmens zügig und verantwortungsvoll umgesetzt werden kann."
Die Hintergründe zu diesen Meldungen möchten wir hier aufzeigen.

Auf der Internetseite der WSW AG ist zu lesen:

Dr. Hermann Janning wird den Vorstandsvorsitz der Stadtwerke Duisburg AG und der Duisburger Verkehrsgesellschaft AG sowie den Vorsitz der Geschäftsführung der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (DVV) übernehmen. Die Auswahlkommission der Aufsichtsräte des DVV-Konzerns hat einstimmig dafür votiert, den WSW-Chef in diese Funktion zu berufen. Dr. Janning wird damit die Nachfolge des im September 2005 verstorbenen Vorsitzenden Uwe Steckert antreten. Die noch notwendige Zustimmung des Aufsichtsrats gilt als sicher.

Der Entschluss von Dr. Janning hat deutliche Hintergründe, die in folgendem Interview der WZ wiedergegeben werden. Dort hieß es am 11.12.04:

Janning: "Ich bin bis 2010 gewählt und ich werde an Bord bleiben"
WSW-Vorstandschef Hermann Janning im WZ-Interview über Gerüchte um seine Person und die Zukunft der Wuppertaler Stadtwerke.

Wuppertal. WZ: Herr Janning, müssen Sie sich als Vorstandschef der WSW nicht brüskiert fühlen durch den Überraschungscoup des Oberbürgermeisters und der RWE, die ihr Eckpunktepapier zur Umstrukturierung der Stadtwerke ohne Absprache mit Ihnen in die Öffentlichkeit und den Aufsichtsrat getragen haben?
Janning: Die Vorgehensweise hat mir nicht gefallen, das hat für viel Verunsicherung gesorgt. Natürlich war uns bekannt, dass die Anteilseigner an einem Konzept zur Umstrukturierung der Stadtwerke arbeiten. Dem Rathaus sind seit Monaten meine Vorstellungen dazu bekannt.
WZ: Es gibt Stimmen, die sehen Sie als Stadtwerke-Chef schon demontiert.
Janning: Denen kann ich nur entgegnen: Ich bin bis 2010 gewählt und ich werde an Bord bleiben. Die Umstrukturierung der Stadtwerke sehe ich als persönliche Herausforderung. Im übrigen, in weiten Strecken sind die beiden Konzepte doch gar nicht so weit auseinander. Unsere Pläne sind allerdings präziser.
WZ: In einem wesentlichen Teil unterscheiden Sie sich aber doch. Bei einer Beteiligungserhöhung von RWE soll nach Vorstellung der Stadt die unternehmerische Führung der Versorgungssparte an RWE gehen. Das hieße, der Bereich würde künftig von Essen aus gesteuert.
Janning: Ich kann Ihnen versichern: Wir werden keine Zweigstelle von RWE in Essen. Die unternehmerische Führung im operativen Bereich wird nicht abgegeben, die WSW werden nicht zerschlagen. Aber auch der Vorstand hält eine gesellschaftsrechtliche Trennung von Versorgungs und Verkehrssparte für erforderlich. Auch eine Anteilsaufstockung von RWE bis zu 49 Prozent befürworten wir.
WZ: Aber Sie wollen die Fäden in der Hand behalten.
Janning: Das werden wir auch, denn unsere Vorstellungen gründen sich nicht nur auf die Notlage bei der Schwebebahnfinanzierung, sondern ergeben sich aus dem Ziel einer Wachstumsstrategie für die WSW.

Hier wurden wohl die Weichen gestellt, die nun 2006 zum Ausscheiden von Dr. Janning geführt haben, und anders als bei Dr. Fingerhut, dem man für seine Arbeit bei der WSW dankte, heißt es auf der WSW Seite:

Während der Sitzung erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Jung: "Ich bin davon überzeugt, dass mit der gefundenen Lösung die Neuausrichtung unseres Unternehmens zügig und verantwortungsvoll umgesetzt werden kann."

Wir hatten dazu 2004 geschrieben:

Nach Verkauf des ersten kommunalen Anteils von 33% der WSW im Jahre 2003 wechselte der Vorstandsvorsitzende Dr. Fingerhut in leitender Position zur RWE mit besonderem Dank für seine Arbeit bei der WSW von Dr. Hans Kremendahl und Dr. Janning. Nach einem erfolgreichen Verkauf im Jahre 2005 auf die angedachten 49,9% (oder so) dankt dann vielleicht ein Herr Peter Jung einem Dr. Janning für seine erfolgreiche Arbeit bei der WSW.

Diesen Dank gibt es also nicht, wohl aber nun eine Aussage zu den jeweiligen Interessensschwerpunkten – und besonders zu denen der Stadt Wuppertal.

Was Peter Jung mit dieser „zügigen und verantwortungsvollen Neuausrichtung“ wohl gemeint hat, kann man sich mit dem folgenden Presseartikel lebhaft vorstellen:

..Die Zerschlagung der WSW geschieht unter Druck: Die Stadt ist zu einem Verkauf der Energiesparte an die RWE verpflichtet, falls sie jährliche Rückstellungen in Höhe von 20 Millionen Euro nicht mehr aus dem kommunalen Haushalt bezahlen könne oder wolle. "Im nächsten Jahr müssten wir Millionen für die Rückstellung aufwenden", gibt Stadtsprecherin Martina Eckermann zu. Schon in diesem Jahr hatten die WSW die Rückstellungen nur aufgrund einer einmaligen städtischen Finanzspritze in Höhe von 15 Millionen Euro aufbringen können, die durch Einnahmen aus Cross-Border-Leasing-Verträgen finanziert wurde...

Und hier ist sie also, die Schlinge unserer Finanzakrobaten.


Schritt 1 – Da die Müllverbrennungsanlage im Jahre 1999 neben den bestehenden Deponien noch völlig unrentabel ist, wird sie im Cross-Border-Deal als „geniale Steuerbetrugs-Unterstützung“ verleast, der wesentliche Anteil der Einnahmen der Barwertvorteils fließt noch gesittet in die Gebührenreduzierung.

Schritt 2 – Da die Stadt Wuppertal pleite ist, wird im Jahre 2002 das Kanalnetz in Form eines Cross-Border-Deals als „geniale Steuerbetrugs-Unterstützung“ verleast, der Großteil des Geldes verschwindet zunächst undokumentiert, 5 Millionen Euro wird den Bürgern als Gebührenersparnis verkauft.

Schritt 3 – Man schließt eine strategische Partnerschaft mit RWE in den Jahren 2002 und 2003 mit dem Verkauf von 33% der WSW AG an die RWE zur „Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Stadtwerke“ – in Wirklichkeit, weil man kein Geld hat.

Schritt 4 - Dies hat zur Folge, dass die Stadt in den Folgejahren auf Grund dieser Verträge nun zu einem Verkauf der Energiesparte an die RWE verpflichtet ist, wenn Sie Ihren Rückstellungsverpflichtungen nicht nachkommen kann. Und dies kann Sie nicht, da Sie pleite ist.

Schritt 5 – Da die Stadt pleite ist, wird nun der von uns eingeklagte und nicht an die Bürger weitergegebene Barwertvorteil von 13 Millionen Euro zweckentfremdet in die WSW getragen, um der Nachschusspflicht zu entgehen, was im Steueramt immer ausdrücklich dementiert wurde und bisher auch nicht dokumentiert wurde bzw. deutlich mit Falschaussage als Rückstellung angegeben wurde. In der WSW stecken zudem noch die 4 Millionen Anteil Barwertvorteil aus ebengleichem Cross-Border-Deal, ebenso undokumentiert.

Schritt 6 – Jetzt ist alles Geld weg. Da wir es aber mit Hochleistungs-Finanzakrobaten zu tun haben, sind inzwischen aus dem Schwebebahnabriss weitere 110 Millionen Euro Schulden hinzugekommen, für die zumindest öffentlich keiner die Verantwortung trägt, die aber in Wuppertal zu bezahlen sind.

Schritt 7 – Dr. Janning, der zwar einer Teilprivatisierung der WSW AG zugestimmt hat, die Fäden der WSW aber in der Hand halten wollte, ist gegangen. Die Finanzakrobaten werden tätig werden – das nächste Konzept zur Umstrukturierung wird beginnen, da die Stadt pleite ist, aber gleichzeitig für ein Gesamtvolumen von über 160 Millionen Euro den Döppersberg umbauen wollte, was sich nun, durch fehlendem Investor bedingt, auf nur 86 Millionen Euro begrenzt .

"Die Kreativität und Umsetzungsstärke Wuppertals hat mich überzeugt einen zweiten, intensiven Blick auf die Stadt zu werfen“, so spricht ein „Investor“ auf der Internetseite zum Döppersberg – wir können diesen Satz nun sehr gut verstehen. Da sich aber für den Döppersberg kein Investor gefunden hat, könnte man auch annehmen, diese sind vielleicht einfach vom geballten Übermaß oben geschilderter „Kreativität“ erschlagen worden.

Wessen Geist hinter all dem steckt, sieht man am Beispiel folgender Referentenliste:

13. Handelsblatt Jahrestagung
Energiewirtschaft 2006
17. bis 19. Januar 2006, Hotel InterContinental, Berlin

Hier sind wohl sämtliche Entscheidungsträger der Energiewirtschaft zu finden – auch Dr. Janning.
Der Hauptsponsor der ganzen Veranstaltung ist eine aus Cross-Border-Deals, PPP-Deals und sonstigen Privatisierungs-(Enteignungs-)Deals wohlbekannte Firma, über die wir schon berichtet haben:

Und so lautet die Selbstdarstellung:
PricewaterhouseCoopers ist weltweit eine der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften und kann auf die Ressourcen von insgesamt 122.000 Mitarbeitern in 144 Ländern zugreifen. Im Geschäftsbereich Energy, Utilities & Mining mit 300 Partnern und ca. 3.000 qualifizierten Experten und Mitarbeitern verfügen wir über ein internationales Netzwerk mit breitem branchenspezifischem Know-how.
In Deutschland erwirtschaften 8.200 Mitarbeiter in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen (Assurance), Steuerberatung (Tax) sowie in den Bereichen Transaktions-, Prozess- und Krisenberatung (Advisory) an 28 Standorten einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.
Mit dem PWC Netzwerk betreuen wir unsere Mandanten des Energiesektors in Deutschland und rund um die Welt durch multidisziplinäre, multinationale oder globale Expertenteams. Wir unterstützen sie dabei, die enormen Herausforderungen einer sich dynamisch entwickelnden und ständig wandelnden Energiebranche erfolgreich zu bewältigen.

Hier noch einmal unsere Anerkennung, da leisten die Jungs von PWC wirklich beachtliches und eine Milliarde Beratungshonorare in Deutschland will verdient sein. Und da sich das Geld unter Mitwirkung unserer Politiker so schön umverteilen lässt, wundert auch die folgende Nachricht der WZ eigentlich nicht mehr:

Energiewirtschaft: Eon rollt den Weltmarkt auf
29 Milliarden Euro wollen die Düsseldorfer für Endesa zahlen. Dadurch werden sie Weltspitze.

Düsseldorf. Ein großer Coup des Energieriesen Eon war erwartet worden. Schließlich war den Düsseldorfern vor vier Monaten der Deal mit Scottish Power geplatzt. Die vielen Gewinnmilliarden aus Gas und Stromverkäufen sowie entsprechende Preiserhöhungen, die angelegt sein wollten, blieben im Keller. Dass Eon mit der spanischen Endesa aber gleich ein so großer Fisch an die Angel kam, hat die Branche verblüfft. Die Börse spielte vor Freude fast verrückt und handelte nach einem vorübergehenden Schock die Eon-Aktie in der Spitze mit knapp 98,80 Euro fast siebeneinhalb Prozent höher.
"Diese Transaktion bringt Eon in eine neue Dimension", hatte Eon-Chef Wulf Bernotat gleich gestern morgen bei der Übergabe einer Ad-hoc-Meldung an die Börse erklärt. Die Düsseldorfer, zu denen auch der Essener Gasriese Ruhrgas gehört, sahen sich mit Endesa an die Weltspitze katapultiert.
Ein Geschäft ähnlicher Größenordnung hat es in der Branche noch nie gegeben: 29,1 Milliarden Euro offerierte Eon den Endesa-Aktionären. 27,50 Euro pro Aktie in bar. Das sind 48 Prozent Aufschlag auf den letzten, nicht durch Übernahmespekulationen vom spanischen Konkurrenten Gas Natural beeinflussten, Endesa-Kurs vom 2. September 2005.
Der Endesa-Vorstand zeigte sich indes noch nicht zufrieden. Er wollte 29 Euro pro Aktie. Gestern abend sollte darüber entschieden werden.
Bis Mitte 2006 will der Eon-Konzern, der sich bei einem Konsortium unter Führung von HSBC bereits Kreditlinien besorgt hat, einen großen Teil aus Eigenmitteln finanzieren will, die Transaktion abschließen.
Schwierigkeiten mit den Kartellbehörden werden nicht erwartet, da Eon und Endesa auf unterschiedlichen Märkten tätig sind.
Nach der Übernahme wird Eon über 50 Millionen Kunden in über 30 Ländern (bisher 30 Millionen in 20 Ländern) verfügen und in Spanien und Lateinamerika jeweils rund elf Millionen neue Kunden zählen. In Spanien wird Eon die Nummer 1, in Italien die Nummer 3.
Der kombinierte Absatz beider Unternehmen würde künftig bei 608 Milliarden Kilowattstunden Strom und 945 Millionen kWh Gas liegen. Gemeinsam würden über 107 000 Mitarbeiter beschäftigt.
Wegen der Offerte veröffentlichte Eon seine Eckzahlen zum Jahr 2005 früher als geplant. Wegen der Verkäufe der Immobilientochter Viterra, Ruhrgas Industries und der Strompreiserhöhungen ist der Gewinn um 70 Prozent auf den Rekordwert von 7,4 Milliarden Euro gestiegen. Den Aktionären werden sieben (Vorjahr: 2,35) Euro Dividende je Aktie vorgeschlagen.

Eine Gewinnsteigerung um 70 Prozent auf den Rekordwert von 7,4 Milliarden bei 5 Millionen Arbeitslosen in Deutschland, Massenentlassungen und weiterer Neuverschuldung der BRD sollte nur einen einzigen Kommentar ergeben - Asozial.

Aber nun wissen wir wenigsten, wer mit all den Gebührenerhöhungen und Umverteilungen was macht, und auch warum wir vor lauter „Kreativität“ in Wuppertal auf keinen grünen Zweig kommen.

PS:
Noch eine kleine Fundstelle im Geschäftsbericht der WSW vom Jahre 2002:

AWG GmbH
Haftungsverhältnisse im Sinne von § 251 HGB bestanden zum Abschlussstichtag nicht.
Nicht bilanzierte finanzielle Verpflichtungen bestehen aus Miet- und Leasingverträgen in folgendem Umfang:
Die Verträge zur US-Lease-Service-Contract-Finanzierung sehen im Falle einer Vertragsverletzung durch die AWG eine Auflösung der Verträge sowie eine dadurch resultierende Entschädigungsleistung vor. Diese ist abhängig vom Zeitpunkt der Vertragsauflösung, den dann bestehenden Zinssätzen und Dollarkursen und kann bis zum 4fachen des aus diesem Geschäft erzielten Barwertvorteils betragen.
Wuppertal, den 23. Mai 2003

Solange es noch etwas zu verkaufen gibt, sollte uns die Summe von ca. 87Millionen Euro nicht schrecken – wir sind Größeres gewohnt – wir wohnen ja in Wuppertal.
Kategorie Allgemeines

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