 Im Februar haben wir die Zusammenfassung zur Privatisierung der WSW-AG geschrieben. Mit dem 13. August folgt nun der „Befreiungsschlag der WSW“ – alles wird wieder rückgängig gemacht! Und es kommt noch besser!
Zur Erinnerung der Gesamtsituation finden Sie hier noch einmal unseren Originalbeitrag aus dem Februar. Wir beendeten diese Zusammenfassung mit den Worten:
„Da ist Sie nun, nach der Cross-Border-Luftnummer landet hier die RWE-Luftnummer, Kosten der Regulierung bisher unbekannt, Leidtragende sind die WSW-Mitarbeiter, die Wuppertaler Steuerzahler, die Wuppertaler Gebührenzahler.“
Die Kosten zur aktuellen Luftnummer der Stadt Wuppertal wollen wir Ihnen heute aufzeigen.
Zunächst zur aktuellen Pressemitteilung der WZ durch den Chefredakteur Robert Maus vom 31.07.2007:
Stadtwerke: Befreiungsschlag für 145 Millionen
RWE und Velbert sind keine Partner der WSW mehr, sagt die Stadt und will nun einen neuen Partner suchen. Wuppertal. „Das ist eine gute Nachricht“, sagte Oberbürgermeister Peter Jung gestern und man sah ihm die Erleichterung an. Die Wuppertaler Stadtwerke sind wieder allein – sämtliche Partnerschaften sind gelöst. „Schwierige Verhandlungen“ waren laut Jung nötig, damit der Energiemulti RWE sich von den WSW löste.
Dazu gehört auch, dass das luxemburgische Unternehmen Cegedel ebenfalls seine Anteile an den WSW zurückgibt, beziehungsweise zurückverkauft. 145 Millionen müssen die WSW dafür bezahlen, dass diese beiden aussteigen.
Stadtwerke gehen erneut auf Brautschau
Auch die Über-Kreuz-Beteiligung mit den Velberter Stadtwerken ist beendet: Die jeweiligen Anteile werden exakt zurückgetauscht, Geld fließt laut Jung keines. Damit ist der fast ein Jahr dauernde Zwist mit RWE und den Velbertern beendet, die Stadtwerke haben laut Jung ein Etappenziel erreicht und können nun erneut auf Brautschau gehen, denn an dem ursprünglichen Ziel, sich einen strategischen Partner ins Boot zu holen, änderte auch die erste Beteiligungspleite nicht.
RWE war sich mit den WSW nicht einig, laut Jung gab es gravierende Unterschiede bei der strategischen Ausrichtung, was auch für Velbert gilt. Am 13. August ist eine Sondersitzung des Wuppertaler Stadtrates anberaumt, um die nötige Zustimmung zu bekommen. Die scheint sicher, denn SPD und CDU jubelten gestern Nachmittag in Pressemitteilungen über den großen Erfolg. Geht also alles glatt, dann wird die Trennung bereits Anfang September vollzogen.
Wichtig ist die Einigung auch vor allem deshalb, weil RWE und Velbert zugesagt haben, bei der anstehenden Hauptversammlung der WSW Holding für die Neustrukturierung der Stadtwerke zu stimmen. Laut Jung hatte es zuvor die Drohung gegeben, exakt dies nicht zu tun. Diese Gefahr scheint nun gebannt: „Das wäre eine Hängepartie geworden, die eventuell auch juristisch hätte geklärt werden müssen.“
Neuer Kredit, um RWE los zu werden
Die Modalitäten der Trennung hören sich gut an. Kämmerer Johannes Slawig und WSW-Chef Andreas Feicht erläuterten die Details. Die Stadtwerke-Holding bezahlen 145 Millionen Euro an RWE, das sind zehn Millionen weniger, als diese beim Einstieg für sich und Cegedel bezahlt hatten. Zudem, so Feicht, verzichte RWE auch noch auf die Dividende für das Jahr 2007.
Die Stadtwerke nehmen einen Kredit auf, um die 145 Millionen finanzieren zu können. „Die Zinszahlungen liegen unter den früheren Dividendenzahlungen an RWE“, erklärte Feicht. Das Konzept sieht jedoch so aus, dass der nächste Partner ja wieder einen Kaufpreis für die WSW-Anteile bezahlt. Dieser könnte zur Tilgung des Kredites verwendet werden. Es handelt sich um eine Zwischenfinanzierung – wenn alles glatt geht.
Aber: Der Kaufpreis sei nicht alles, machte Slawig klar. Es gehe vielmehr darum, dass der neue Partner die richtige strategische Ausrichtung habe. Jung, Slawig und auch Feicht waren sich einig darin, dass die WSW ein sehr attraktives Unternehmen seien. Dementsprechend habe es bereits Kontakte mit anderen Energie-Unternehmen gegeben.
Wie die WZ bereits berichtete, haben etwa die Düsseldorfer Stadtwerke schon Gespräche mit der Stadt Wuppertal geführt. Die Stadtwerke aus der Landeshauptstadt gehören wiederum zum baden-württembergischen Energiemulti EnBW, der 54,95 der Anteile in Düsseldorf hält.
Auch eine Zusammenarbeit mit den Stadtwerken aus Solingen und Remscheid schloss Slawig nicht aus, auch wenn eine Beteiligung nicht möglich ist – die Bergischen sind sich nicht einig.
Der neue Partner, der im Sommer nächsten Jahres präsentiert werden soll, wird mit Sicherheit 25,1 Prozent erwerben dürfen. Eventuell, so Slawig, auch weitere acht Prozent. Sicher sei aber auch, dass die Mehrheit der WSW bei der Stadt bleibe.
Stadtwerke und RWE
Beteiligung RWE hält 18,7 Prozent der WSW und hatte dafür 116 Millionen Euro bezahlt. Die luxemburgische RWE-Tochter Cedegel hält über eine Kapitaleinlage weitere 6,4 Prozent und hatte dafür 40 Millionen Euro gezahlt. Zusammen kontrolliert RWE also 25,1 Prozent der Stadtwerke-Anteile.
Rückkauf Die Anteile, die 2002 noch für etwa 155 Millionen Euro verkauft worden waren, werden nun für 145 Millionen Euro zurückgekauft. Die Stadt spart also zehn Millionen Euro. Zudem, so Stadtwerke-Chef Andreas Feicht, verzichte RWE auf die Jahresdividende für 2007. Nach unbestätigten Informationen hätte diese etwa fünf bis sechs Millionen Euro betragen sollen. Velbert Die Stadtwerke Velbert hielten fünf Prozent der WSW-Anteile und die Wuppertaler Stadtwerke umgekehrt 19,5 Prozent. Diese Über-Kreuz-Beteiligung wird einfach zurückgetauscht. Die vorherige gegenseitige Entsendung von Vorstandsmitgliedern war ohnehin schon gestoppt worden.
Preise Auch wenn die Stadtwerke 145 Millionen Euro über einen Kredit finanzieren, steht eine Erhöhung der Preise für Gas oder Strom definitiv nicht zur Debatte, hat WSW-Chef Andreas Feicht auf WZ-Nachfrage versprochen.
31.07.2007 Von Robert Maus Soweit die WZ. Das klingt doch am Anfang gut – 10 Millionen weniger als bezahlt – und wir sind die ungeliebten Partner los, die mit vollmundigen Versprechen wahre Synergien lostreten wollten – und nicht erfüllt haben.
Wir erinnern uns an die Aussagen der WSW aus dem Jahre 2002:
Neue Partner machen WSW stärker
Mitte des vergangenen Jahres wurde die wechselseitige Beteiligung zwischen den WSW und den Stadtwerken Velbert beschlossen und im Dezember 2002 die strategische Allianz zwischen WSW, RWE Plus und Cegedel aus Luxemburg besiegelt. Als Beteiligungsform wurde das Tracking Stock-Modell gewählt, das eine Beteiligung nur am Versorgungsbereich der WSW AG (Energie- und Wasserversorgung) ermöglicht, ohne diesen rechtlich verselbständigt auszugründen.
Die Anteile von RWE Plus liegen bei 20 Prozent, Cegedel wird sich in der Zielstruktur mit 13,3 Prozent beteiligen. Das Volumen der Gesamtbeteiligung wird bei 232 Millionen Euro liegen. Hiervon fließen dem Haushalt der Stadt Wuppertal als Kaufpreis rund 116 Millionen Euro zu. Die weiteren rund 116 Millionen Euro werden in Form von entsprechenden Vermögenswerten in die WSW AG eingebracht. Durch die RWE Plus-Einlagen wird die Marktposition und Substanz der WSW erheblich gestärkt. Dies stellt einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau eines Netzwerkes von horizontalen Kooperationen mit benachbarten Energieversorgern dar, wie sie bereits durch die erfolgreich umgesetzte Kooperation mit der Stadtwerke Velbert GmbH begonnen wurde.
Durch die horizontalen Partnerschaften werden die Wettbewerbsfähigkeit und Marktposition insbesondere durch gemeinsame Produktentwicklung und den gemeinsamen Auftritt bei der Beschaffung von Strom und Erdgas gestärkt, Synergiepotenziale auf der Kostenseite realisiert sowie ein Know-how- und Erfahrungsaustausch gefördert.
Das Original finden Sie hier: oder hier, nur für den Fall, das sich die WSW dieser Seiten nicht mehr so gerne erinnert. Tatsache ist nun – in den Jahren 2002 bis 2007 hat sich in den „horizontalen Partnerschaften“ gar nichts getan, „Wettbewerbsfähigkeit und Marktposition insbesondere durch gemeinsame Produktentwicklung und den gemeinsamen Auftritt bei der Beschaffung von Strom und Erdgas“ wurde in keiner Weise gesteigert, „Synergiepotenziale auf der Kostenseite sowie ein Know-how- und Erfahrungsaustausch“ fanden nicht statt. Kurz das komplette Szenario war eine Nullnummer – Nada – Rien - , deshalb trennt man sich nun.
Aber es fand etwas statt – das, was sowohl der Herr Robert Maus, als auch die Stadt Wuppertal, in den inzwischen üblichen „Milchmädchenrechnungen“ deutlich verschweigt – ein fröhlicher Geldfluss an die „stategischen Partner“!
Somit hier für unseren geliebten Stadtkämmerer, den „Gute Nachricht“ Oberbürgermeister Jung, sowie unseren Chefredakteur der WZ, Herrn Robert Maus eine kleine Nachhilfestunde in Sachen Wirtschaftlichkeit:
Ohne jede Not wird im Dezember 2002 die WSW AG - Bürgerbesitz der Wuppertaler – zu 33,3% privatisiert.
Erlös: 116 Millionen von der RWE, 40 Millionen von Cegedel Gesamterlös : 156 Millionen
5 Jahre passiert nichts in versprochener Form
Gezahlt werden an Dividenden an die Anteilseigner: 2003 5,9 Millionen 2004 10,4 Millionen 2005 8,6 Millionen 2006 5-6 Millionen – gnädig erlassen (laut WZ)
Gesamt somit: 21,2 Millionen Euro Dividende für Null Leistung
Und nun kaufen wir per Kredit zurück – weil wir die Geldeinlage längst verbraucht haben:
Rückkaufpreis: 145 Millionen Euro
Gezahlte Dividende: 21,2 Millionen – „gnädiger“ Erlass der Dividende 2006
Gesamt: 166,2 Millionen Euro
2002 erhalten 156 Millionen Euro Neues Defizit: 10,2 Millionen Euro
Hinzu kommen die Beratungskosten für den WSW-Umbau, über die wir schon berichtet haben.
Auszug: WSW- Umbau – für die Zerschlagung der WSW zahlt die Stadt Wuppertal 478.811,79 Euro, – Folgekosten des Subventionsbetruges und der misslungenen Privatisierung –
Fantastisch! Vor allen Dingen – da es in Wuppertal nicht einen einzigen Verantwortlichen für diese Misere gibt! Die WSW AG zahlt noch einmal 19.778.357,69 Euro, gesamt also 20.257.169,48 Euro Beratungskosten im Zusammenhang mit der WSW AG, wobei sich beim Posten der WSW AG sicherlich anteilig auch allgemeine Beratungskosten finden. Auffällig ist allerdings die Höhe der Summe im Jahre 2002, just das Jahr, in dem die Privatisierung der WSW ihren Lauf nahm. Aufgeführt sind auch noch nicht die Kosten, die der neue Vorstandsvorsitzenden der WSW AG, Herr Andreas Feicht, sich für 2006 nunmehr selbst bewilligt, da er gleichzeitig Vorstand der Beratungsagentur ist, die die WSW zerschlägt.
Gehen wir somit vorsichtig nur von der Hälfte dieser Summe als Beratungskosten für die WSW im Zusammenhang mit der genannten Privatisierung aus, so erhöht sich das Defizit schon auf 20,2 Millionen Euro!
Der geliebte Stadtkämmerer Dr. Slawig hat sich somit 2002 de facto 154 Millionen Euro bei RWE und Cegedel bar geliehen, um das Loch des Schwebebahn-Subventionsbetruges zu stopfen, und erwartete noch 116 Millionen an Sachwerten, die nie gekommen sind – woraufhin der Vertrag nun rückgängig gemacht wird. Gezahlt wurden für diesem Privatisierungskredit dann 21,2 Millionen Dividende – oder Zinsen. Die „Anteilseigner" haben ihr Geschäft wohl gemacht, und können daher auf die Dividende 2006 wohlwollend verzichten.
Wie die Stadt selbst angibt, ist ein Kommunalkredit in jedem Fall billiger – die Beratungskosten sind versenkt, die nächsten Beratungskosten zum neuen Partner stehen an.
Das Gesamt-Defizit sollte somit etwa bei 20,2 Millionen Euro liegen, abzüglich der Kosten für einen Kommunalkredit in Höhe von 156 Millionen Euro.
Wir sind wie immer völlig begeistert von der ungeahnten Qualität unserer Stadtführung sowie unserer Presse, die dies so sensationell darstellt, und befinden daher, Sie haben sich unser Stadtwappen über alle Maße verdient!
Aber, wer glaubt, alles werde nun gut, sieht sich eines besseren belehrt – der Wahnsinn hat noch kein Ende – sonst hätten wir ja unseren geliebten Stadtkämmerer Dr. Slawig nicht mehr – sondern wir gehen nun neue strategische Partnerschaften ein! Punkt. (Ob der Wuppertaler Bürger dies überhaupt will, spielt hier keine Rolle!).
Wir liebäugeln nun mit der Stadt Düsseldorf und dem dortigem „Sonnenkönig OB Erwin“ über den wir schon einmal berichteten.
Oberbürgermeister Joachim Erwin oder auch „Sonnenkönig Erwin“, der unter Missachtung von Bürgerwillen in Düsseldorf sowohl über drei Cross Border Geschäfte, als auch einen fast vollständigen Stadtwerke Verkauf, sowie Verkauf der städtischen RWE Aktien in 2006 per Bürgerenteignung die Stadt Düsseldorf „schuldenfrei“ gemacht hat, kann noch schlechter rechnen als Herr Dr. Slawig.
Auszug:
Schauen wir uns die Schuldensituation in Düsseldorf seit 1999 an, so sind von urspünglich 1570 Millionen Euro Schulden bis 2003 auf den Stand von 988 Millionen Euro 582 Millionen Euro Schulden abgebaut worden. Wie – das erklärt das Dokument der Stadt Düsseldorf nicht ganz so deutlich. 1. Beihilfe zum Steuerbetrug in den USA in Form von drei Cross-Border-Geschäften mit Schädigung des amerikanischen Fiskus und über Anlegerbeteiligungen des deutschen Fiskus in Höhe von 2603 Millionen Euro. Dafür hat Düsseldorf an Barwertvorteil für alle drei Geschäfte zusammen in etwa 130 Millionen Euro erhalten. 2. Ausverkauf der Stadtwerke Düsseldorf AG um weitere 29,9% Aktienkapital gegen den erklärten Bürgerwillen der Düsseldorfer ergeben 447,4 Millionen Euro. Somit kommen wir auf eine Gesamtsumme von 577,4 Millionen Euro, „erwirtschaftet“ ausschließlich durch Ausverkaufs- und Steuerbetrugsmodelle. Die Entschuldungs-Eigenleistung des „Sonnenkönigs“ beträgt somit exakt nur 4,6 Millionen Euro. In der Aufstellung fehlt natürlich auch der Risiko-Rückstellungsposten – der bei keinem Cross-Border-Deal bilanziert wird - von etwa 520 Millionen Euro, geht man vom gleichen Risikofaktor wie bei unserer Müllverbrennungsanlage aus. Dort heißt es: Nicht bilanzierte finanzielle Verpflichtungen bestehen aus Miet- und Leasingverträgen in folgendem Umfang: Die Verträge zur US-Lease-Service-Contract-Finanzierung sehen im Falle einer Vertragsverletzung durch die AWG eine Auflösung der Verträge sowie eine dadurch resultierende Entschädigungsleistung vor. Diese ist abhängig vom Zeitpunkt der Vertragsauflösung, den dann bestehenden Zinssätzen und Dollarkursen und kann bis zum 4fachen des aus diesem Geschäft erzielten Barwertvorteils betragen. Spielt man somit das schlechteste Cross-Border Szenario für Düsseldorf durch, so könnte mit Rückabwicklung nach Nichtanerkennung durch die amerikanischen Steuerbehörden die Situation in etwa so gedeutet werden:
Abbau von 582 Millionen Schulden durch Verkauf von Bürgerbesitz und Beteiligung an Steuerbetrugsmodellen mit 520 Millionen nicht bilanzierten Risikokosten – macht 62 Millionen Schuldenabbau nach Verkauf von 447,4 Millionen städtischen Werten. Wir würden dies nicht gerade als Erfolgsmodell bewerten, und halten dies kaufmännisch betrachtet für ein ausgesprochen unausgewogenes Modell.
Und genau mit diesem „wirtschaftlichen Erfolgskanditaten“ soll nun die WSW in Zukunft „verbandelt“ werden.
Na denn – Gute Nacht - für heute.
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