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Sparkonzept von „Milchbube“ und „Klementine“ – 80 Millionen versus 120,5 Millionen
22.11.09
Am 17.11.2009 ist nun endlich das Wuppertaler Sparkonzept vorgelegt worden – nach der Wahl - , von „Milchbube“ und „Klementine“.
„Milchbube“ – in der Person unseres Stadtkämmerers Dr. Slawig ist nicht unsere Namensschöpfung, sonder fußt auf einen Beitrag eines
Remscheider Kommunalpolitikers zum Thema Cross-Border, der beschreibt, wie man aus Scheiße Bonbons gemacht hat.
„Klementine“ ist unsere Namensschöpfung, und fußt auf dem
unsäglich peinlichen Kommentar unseres OB Jung auf die ebengleiche Cross-Border Problematik in Wuppertal in diesem Jahr.
Man will uns nun einstimmen auf 80 Millionen Euro Einsparung – mit vielfältigen Sparmaßnahmen und einer Liste, die alle öffentlichen Bereiche Wuppertals berührt.
Wir wollen hier, wie bereits in der WZ erfolgt, noch einmal die Wuppertaler Verschuldungsgeschichte nachvollziehen.
Die erste, die Stadt Wuppertal in der Existenz wirklich bedrohende Schuldengeschichte, beginnt hier:
In den 80er Jahren bis ins Jahr 1992 wurden alle Schwebebahnbahnhöfe aufwendig renoviert. Nach dieser Generalsanierung hieß es in den Schlagzeilen 1984: "Die Bahn ist top-fit für das Jahr 2000“.
1992 kam der aus der Stahlstadt Dortmund stammende Verkehrsminister Kniola nach Wuppertal und erklärte die Schwebeahn für marode. Bis heute bleibt erklärungsbedürftig, wie die Bahn von 1984 bis 1992 vom Zustand "top-fit" in den Zustand "abbruchreif marode" wechseln konnte. Ein Neubau musste her.
Die Kosten der neuen Schwebebahn wurden künstlich auf 500 Millionen DM herunter gerechnet, obwohl die Kosten für einen Neubau der Schwebebahn schon Anfang der 80er Jahre auf 1 Milliarde DM geschätzt wurden.
Da Bund und Land nur 450 Millionen DM beisteuerten und die Stadt nur 50 Millionen bereitstellten, mussten somit nach Adam Riese 500 Millionen DM fehlen.
Machte aber nichts, 450 Millionen DM Bundes- und Landesmittel lockten, so wurde der Neubauantrag mit einem Gesamtkostenvolumen von 500 Millionen DM eingereicht.
All diese Informationen finden Sie
hier.
Was passierte – bereits am 03.3.2005 (
nach Auskunft der Bezirksregierung) betrugen die Baukosten EUR 483,75 Mio., ziemlich genau die Summe, die bereits in den 80er Jahren genannt wurde. Das Land war sogar bereit, EUR 288 Mio. statt der ursprünglich EUR 225 Mio. in Anerkennung der Kostensteigerung zu übernehmen (so weit zum Thema Dauerschuld außerhalb von Wuppertal). Der Stadt/Stadtwerke verblieb damit der Restposten von EUR 115 Mio., eine bis heute nicht fertig gestellte Schwebebahn und die ungeklärte Frage, wer die noch kommenden Restkosten tragen wird. Bei einer zu zwei Drittel fertig gestellten Bahn sollte man somit etwa bei EUR 750 Mio. landen, trotz Einsparung fast aller historischen Gebäude.
Wir wollen hier nicht grundsätzlich der Renovierung der Schwebebahn eine Absage erteilen, stellen aber fest, dass dieses Finanzierungskonzept so grundsätzlich falsch war, wie es nur sein konnte, und wie es auch bei vielen anderen Baumaßnahmen in Wuppertal in der Vergangenheit der Fall war, und somit den Befürchtungen der Bürgerinitiative „Rettet die Schwebahn“ exakt entsprochen hat.
Bis zu diesem Zeitpunkt in 2005 waren 115 Millionen Euro außerplanmäßiger Gelder für Wuppertal eine Summe, die aus normalen Mitteln nicht mehr abzutragen war, insofern verwundert es auch nicht, wenn der „Milchbube“ über den Verkauf der Talsperren nachdachte. Großspurig wurde eine Klage gegen das Land angekündigt – weil die Schuld natürlich nicht in Wuppertal zu suchen war - , die angesichts der wirklichen Relationen natürlich nie umgesetzt wurde.
Talsperren wurden dann nicht verkauft, aber vorher schon die Stadtwerke, in 2002 – wo sich das Desaster mit der Schwebebahn bereits abzeichnete - und es ging in etwa wieder um die gleiche Summe, die der „Milchbube“ aus dem Schwebebahndesaster aufzufangen hatte, 116 Millionen Euro von RWE und 40 Millionen von Cegedel.
Dieses Rettungsmanöver ging vollständig in die Hose, wenn Sie unserem
Bericht folgen, und entsprach auch nicht dem Willen und Wesen der Wuppertaler Stadtwerke.
Zeitgleich hat dann „Milchbube“ den zweiten Teil der Cross-Border-Steuerbetrugs-Geschäfte, nämlich mit unserer Kanalisation eingefädelt, ungeachtet der Tatsache, das schon unser erster Cross-Border-Deal, die Müllverbrennung 1999 zu den heute ersichtlichen Risiken im Sinne eines Steuerbetruges erfolgte – 32,4% des Erlöses erhielten ohne jedes Risiko die „beratenden Partner“ – die Bürger der Stadt Wuppertal aber jegliches Risiko auf die Gesamtsumme für die nächsten 30 Jahre. Für die Kanalisation wurde trotz eines schon in der Bilanz 2002 der WSW AG eingestellten Risikos über das vierfache des zu erhaltenen Barwertvorteils ein weiteres Cross-Border Geschäft entschieden, gegen den Willen der WSW, das heute schon das 9,5 fache Risiko eben dieses Barwertvorteils ausmacht.
Die weisungsgebundene Staatsanwaltschaft in Wuppertal hat sich dafür bisher aber nicht interessiert, so blieb „Milchbube“ auch bisher unbehelligt, die Wuppertaler Bürger aber nicht.
Die Schadensumme aus diesem einen Jahr 2009 für die beiden Cross-Boder-Deals der Stadt Wuppertal macht nur für dieses eine Thema exakt 120,5 Millionen Dollar aus, bei weitem mehr als alle angekündigten Sparvorschläge zusammen!
Und dies ist nicht etwa die Folge der Finanzkrise, sondern die Folge einer Politik, die die Gesamtzusammenhänge – wie in der Politik unserer BRD – einfach nicht mehr überblickt. Dazu gehört selbstverständlich auch der völlig unzureichend geregelte Finanzausgleich zwischen Bund und Land, der die Kommunen heute im Regen stehen lässt.
Aber - wenn sich „Milchbube“ und „Klementine“ nur einfach mal die Mühe gemacht hätten, den von uns veröffentlichten Gerichtsentscheid zum
Cross-Border-Deal der AWG durchzulesen, würde wohl auch unseren beiden Finanzjongleuren klar werden, inwieweit die Stadt Wuppertal Einfluss auf die immer beschworene Finanzkrise genommen hat. „Klementine“ hätte dann wohl nicht das unsäglich peinliche Statement auf unserer Wuppertal-Seite veröffentlicht.
Nun, es gab aber Kommunalwahlen, und eine Minderheit lässt trotzdem „Klementine“ weitermachen.
Und - der Döppersberg lockt.
Insgesamt soll der Umbau Investitionen in Höhe von 236 Millionen Euro mit sich bringen. 35 Millionen Euro von der Stadt, 65 Millionen Euro von Land und Bund, rund 11 Millionen Euro von der Bahn AG und den Rest von privaten Investoren unter anderem für den Kubus.
Schon 2006 auf der EXPO REAL in München wurde der Public Privat Partnerschaft Deal Döppersberg wie Sauerbier angebotenen und fand einfach keine Interessenten. Warum, das beantwortete unser Baudezernent Thomas Uebrick: "Weil der Döppersberg öffentlich gefördert wird, muss sich ein Investor an die Vergabeordnung halten.“ Und da sind die Partner halt reihenweise abgesprungen – Schuld war übrigens das
Land – bzw. die Gesetzeslage.
Nun hat man es wohl wieder geschafft, irgendwas zusammen zu rechnen, was seriös daherkommt. Nur ob eine bis über den Hals verschuldete Stadt – Schuld ist übrigens das Land – einen neuen Döppersberg jetzt wirklich braucht, die Frage stellt sich, ebenso wie damals schon bei der Schwebebahn, nicht, ebenso wie die Frage, ob die aufgestellte Finanzkalkulation wirklich aufgeht.
Entscheidend war und ist in beiden Fällen wohl nur die Tatsache, anderer Leute Geld verwenden zu können, und sich dabei die Finanzierung schön zu rechnen. Denn nur so bekommt man in der momentanen Situation Wuppertals diesen Landeszuschuss, und damit die Mittel zum Umbau, die dann natürlich auch nur für diesen Zweck ausgegeben werden dürfen.
Nach den Erfahrungen mit unserer Schwebebahn wird man in ein paar Jahren genauer wissen, wie viel zu den jetzt schon nicht vorhandenen Eigenmitteln von 35 Millionen Euro der Stadt Wuppertal hinzukommen werden, und wie lange wir dann mit einem nicht ganz fertig gestellten Döppersberg leben müssen.
In der Zwischenzeit streichen wir, „der Not gehorchend“, erst einmal alles entbehrliche, vielleicht kommen künftige Besucher ja gar nicht über den Hauptbahnhof-Kubus hinaus, weil der „so schön wird“, und ab dem Wall können wir dann ja Kulissen aufstellen.
Was aber das Sparkonzept betrifft – Die Gründe für die hausgemachte Verschuldung Wuppertals werden in dem Sparkonzept der Stadt Wuppertal völlig ausgeblendet – irgendeine Verantwortung für die genannten Fehlentscheidungen findet sich dort nicht wieder! Das Konzept ist somit in der Grundanlage völlig unseriös, wenn es eben den eigenen Anteil an eigener Verantwortung vollständig ausblendet!
Für den entscheidenden Fehler unseres „Milchbuben“ zum Thema Cross-Border wird der Wuppertaler Haushalt 2009 um (nur in diesem einen Jahr) 120,5 Millionen Euro belastet, und dafür sollen alle Wuppertaler Bürger mit einem Sparkonzept von 80 Millionen und einem Kahlschlag bluten?
Wo bleibt die Wuppertaler Staatsanwaltschaft – auch wenn Sie weisungsgebunden ist?
Wo bleiben Sie – Herr Topp, wenn es Sie wirklich gibt?
Nachtrag 09.12.2009 - IHK-Wuppertal - Wuppertals Weg in die Überschuldung
Sie finden hier eine aktuelle Stellungnahme der IHK zur Schuldenentwicklung in Wuppertal in der Rückschau für die letzten 40 Jahre. Auch die IHK widerspricht der Darstellung der Stadt Wuppertal, die Hauptschuld an den desolaten Finanzen der Stadt trage das Land NRW und der Bund, und stellt die Gesamtbelastung jedes einzelnen Wuppertaler Bürgers dar. Somit entfallen derzeit auf jeden Wuppertaler Einwohner, d.h. vom Baby bis zum Greis, zusätzlich zu seinen Kommunalschulden von gut 5.000 Euro ca. 7.000 Euro Landesschulden und ca. 12.000 Euro Bundesschulden.
Die Zusammenhänge finden Sie in der Stellungnahme der IHK. Das Bündnis „Wuppertal wehrt sich“ wird wohl somit noch einmal darüber nachdenken müssen, ob es sich mit und gegen die „Richtigen“ wehrt, und ob dies überhaupt eine Lösung bei der derzeitigen Politik in der BRD darstellt.
Ob wir unsere Schuldenlast nun aktuell auf das Land NRW oder den Bund verlagern, mag kurzeitig egoistischen Betrachtungen entsprechen (und natürlich dem Wunsch der Verantwortlichen nach Verschleierung), ändert aber langfristig nichts an der Tatsache, dass mit immer nur neuen Schulden eine Politik des Unverstandes in Bund, Land und Stadt fortgeführt werden, und unsere Gesamt-Schuldenlast für künftige Generationen ins Unermessliche steigen läßt.
Nutzen Sie also Ihre vorerst letzte Chance bei den Landtagswahlen in NRW - wählen Sie eine andere Politik!!!
Nutzen Sie ebenso unabhängige Quellen wie diese abseits der gleichgeschalteten deutschen Presse, um zu verstehen, welche Zusammenhänge diese Fehlentscheidungen bestimmen. Url zu diesem Dokument: